Es gibt vieles zum Thema Schrift in verschiedenen Büchern nachzulesen. Wenn Sie sich einen ersten groben Überblick zum Thema "Schreiben im Mittelalter" verschaffen wollen, dann können Sie es hier tun. Wir haben die wichtigsten Aspekte unserer Arbeit zusammengetragen und stellen sie kurz vor.

Sie finden aber auch Anleitungen zum downloaden und einen Hinweis, in welchen Städten wir in diesem Jahr mit unserem Scriptorium gastieren werden.

Beschreibungen über die Handhabung von Siegellack etc. können Sie unter Service einsehen.

Schreiberinnen im Mittelalter
Obwohl Frauen im Mittelalter in den Berufen und Zünften eine sehr untergeordnete Rolle spielten und Handwerkerinnen nur nach dem Tod ihres Mannes den gemeinsamen Betrieb alleine weiter leiten konnten, gab es durchaus selbständig arbeitende Schreiberinnen. Sie waren meistens adelige Damen, die aufgrund der Abstammung eine gute Ausbildung genossen hatten und diese - wenn sie nicht verheiratet waren, oder ins Kloster gingen - nutzten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aufgrund ihrer Ausbildung waren sie in der mittelalterlichen Ständeordnung sehr angesehen und sie erfuhren natürlich durch ihre Tätigkeit viel über die Geschäfte ihrer Mitbürger. Häufig arbeiteten Sie auch für die hohen Herren. Ihre Dienste boten Sie oft im Umfeld des Rathauses an.

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Pergament und Papier
Geschrieben wurde bereits auf Papier, das ab dem 14. Jahrhundert verwendet wurde. Dadurch war es mö?glich geworden, auch "trivialere" Dinge zu Papier zu bringen.

In den Scriptorien der Klöster verwendete man für die wertvollen und aufwändig gestalteten Prachtbände weiterhin Pergament und beschrieb es zumeist mit der "gebrochenen" Schrift, auch "Fraktur" genannt.

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Bastarda-Schrift
Für die alltäglicheren Niederschriften, wie Urkunden, Verträge etc. wurde in ganz Europa die sogenannte "Bastarda", auch "Bätarde" genannt, verwendet. Der Name erklärt sich dadurch, dass sie eine Mischung aus der Humanistischen Kursive und der Fraktur ist. Sie wurde in den verschiedenen Ländern und Landschaften unterschiedlich geschrieben, man kann fast sagen, je nach Temperament der Bewohner. In Italien, das bereits von der beginnenden Renaissance geprägt war, wurde sie sehr zierlich und mit dünner Feder geschrieben. In Frankreich mit breiter Feder und eher gedrungen. Hinzu kommt, dass jeder Schreiber die Schrift in seiner eigenen Art schreibt.

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Schreiberin auf dem Mittelalterlichen Markt
Das Schreiben dieser Bastarda führen wir auf den Mittelalterlichen Märkten vor.

Alle unsere Schriftstücke sind in dieser Schrift geschrieben. Außerdem kann man das Alfabet der "Bastarda Scribella" erwerben, um sie selbst zu üben. Wir erklären und beraten gerne, auch begutachten wir gerne Ihre Schreibübungen und geben Anregungen und Korrekturen.

Mittelalterliche Schreibfedern
Im Mittelalter wurde ausschließlich mit der Gänsefeder geschrieben, die auf bestimmte Art gespitzt wurde. Durch das Schreiben nutzt sie ab, mußte daher immer wieder nachgespitzt werden. Um sie für das Schreiben etwas haltbarer zu machen, wurden sie in heißem Quarzsand gehärtet. Dieser Prozess dauerte genau ein "Vaterunser" lang. Gespitzte Gänsefedern kann man bei uns auch erwerben, gerne zeigen wir auch, wie das Spitzen "verfertigt" wird.

Bandzugfedern und Schreibfedern aus Metall
Weil das Schreiben mit einer Gänsefeder so beschwerlich war und mit diesem Schreibwerkzeug keine immer gleichen Ergebnisse zu erzielen waren, erfand man schließlich Schreibfedern aus Metall. Allerdings dauerte das noch bis ins 16. Jahrhundert.

Mittelalterliche Tinte
Tinte wurde im Mittelalter aus Ofenruß hergestellt. Diese war allerdings nicht besonders schwarz und nicht besonders haltbar. Man bemühte sich sehr, eine tiefschwarze und haltbare Tinte zu erfinden und viele Rezepte sind aus dieser Zeit erhalten. Gefunden hat man diese ideale Tinte in der Eisen-Gallus-Tinte, die aus Eisensulfat, Galläpfeln, Gummi arabicum und Wasser besteht. Bei uns kann man den Tintenansatz, der nur noch mit destilliertem Wasser aufgefüllt werden muß, erwerben und auch die fertige Tinte aus eigener Produktion.

Siegelstempel und Siegellack
Um das Schriftstück "amtlich" zu machen und sicherzustellen, dass es nur vom richtigen Empfänger geöffnet wurde, versiegelte man die Depeschen, bevor man sie dem reitenden Boten mit auf den Weg gab. Jeder Fürst oder Adlige, aber auch reiche Bürger hatten ihr eigenes Siegel, das so nicht nachgeahmt werden konnte. Der Siegellack wurde über der Kerze geschmolzen und dann auf das gefaltete Schriftstück "geschmiert". War genug flüssiger Siegellack aufgebracht, wurde der Siegelstempel in den weichen Siegellack gedrückt.

Siegellack besteht aus Harzen, Farbpigmenten, Kolophonium und Kreiden. Je nach Anteil der einzelnen Komponenten war der Siegellack hoch- oder minderwertiger. Ein hoher Harzanteil macht den Lack gut verarbeitbar und gilt als Qualitätsmerkmal. Bei uns kann man Siegellack und Siegelstempel bekommen.

Faltbriefe oder Depeschen
Damit niemand in das Schriftst?ck hineinsehen konnte, wenn es versiegelt war, gab es viele unterschiedliche Arten diese zu falten. Wir bieten viele verschiedene Faltungen auf A4-Basis zum Kauf an.